Das Interview führte Markus Tschiedert, Berlin am 14.8.2022

Martin Semmelrogge erfuhr in Berlin von der Nachricht, dass Wolfgang Petersen gestorben sei. Er befand sich gerade auf dem Maredo Sommerfest, als ihn Markus Treitschke um das unten stehende Interview bat. Da es bisher nicht veröffentlicht wurde (aus technischen Gründen), holen wir dies hiermit selbst nach.

MT: Herr Semmelrogge, haben sie schon gehört, dass Wolfgang Petersen gestorben ist?

MS: Nein, der Wolfgang? Scheiße! Er war mein bester Regisseur.

Warum gerade er?

Der Wolfgang war immer wahnsinnig begeistert und wollte von seinen Schauspielern alles rausholen, ließ ihnen aber auch ihre Freiheit, weil er ja auch mal Schauspieler war. Er hat also jedem die Verantwortung gelassen, brachte einen aber genau auf den Punkt, wo er hinwollte.

MT: Es gab also nie Reibereien am Filmset von „Das Boot“?

MS: Wenn etwas unstimmig war und egal wie der Druck war, beim „Boot“ ging es immerhin um viel Geld, hat er immer gesagt: ‚Okay, dann müssen wir darüber reden.‘

MT: Wann haben Sie Wolfgang Petersen das letzte Mal getroffen?

MS: Bei ‚100 Jahre Bavaria‘ vor drei Jahren. Da haben wir uns noch kurz unterhalten und Produzent Günter Rohrbach hat noch ganz toll über ihn gesprochen. In Amerika hatte ich ihn zuvor auch getroffen zum ‚Director‘s Cut‘.

MT: Wie werden Sie ihn in Erinnerung behalten?

MS: Der Wolfgang war ein außergewöhnlicher Mensch, auch seine Frau Maria, für die es mir sehr leid tut. Für sie wird es ein schwerer Schlag sein. Es gibt nur einen Wolfgang Petersen. Er hat viel für den Film, seine Visionen erfüllt und seine Ideale gelebt und uns dabei alle mitgerissen.

MT: Wie war Ihr ganz persönliches Verhältnis zu ihm?

MS: Wir haben uns immer großartig über Film unterhalten. Er war begeistert von Amerika, meinte, dass die dort wirklich wissen, was sie machen.

MT: Hätten Sie sich gewünscht, noch öfters mit ihm zusammenzuarbeiten, vielleicht sogar in Hollywood?

MS: Ich hatte ja die Chance gehabt beim Director‘s Cut. Aber da war ich ich hier in Deutschland mit „Die Straßen von Berlin“ so dick drin, und da hat er gemeint, ich soll breitbeinig stehen. In Amerika muss Du auch immer sein, du kannst nicht hin und her. Wolfgang hätte mir aber schon mit Agenten und allem geholfen. Das lag an mir, nicht an Wolfgang. Er hat mich immer wahnsinnig unterstützt, er mochte mich. Letztendlich ist aber jeder seines Glückes Schmied,

MT: Wie meinen Sie das?

MS: Ich bin jetzt auch in einem Alter, in dem man keine Karriere mehr machen muss. Ich sage immer, ich mache noch eine Zugabe, und das läuft auch ganz gut. Es zählt immer, was du jetzt und als nächstes macht.

MT: Würden Sie zur Beerdigung fahren?

MS: Ich würde gern nach Amerika zur Beerdigung fliegen, ich muss nur gucken, wie das mit der Zeit ist. Das kann ich also jetzt so nicht sagen.

Interview: Markus Tschiedert